Die Geschichte des eSled®
Alles begann als Forschungsprojekt an der Lapland University of Applied Sciences. In weniger als einem Jahrzehnt entstand daraus ein weltweit führendes Elektro-Schneemobil, das bereits über 300 000 km unter arktischen Bedingungen gefahren ist.
„Danach haben wir im Grunde noch einmal bei null angefangen – mit neuer Forschung zu Elektrifizierung, den dazugehörigen Normen und Komponentenlieferanten“, erzählt Gründer Matti Autioniemi.
Die folgenden Prototypen fuhren mit Bleiakkus – einfach, um das Schneemobil in Bewegung zu bringen und Antriebsstrang sowie weitere Komponenten testen zu können. Da die Bleiakkus jeweils nur wenige Kilometer weit reichten, begann sofort die Entwicklung einer leistungsfähigeren Batterietechnologie.
Nachdem sich das Team auf Lieferanten für Lithiumbatterien festgelegt hatte, folgten neue Prototypen, bei denen verschiedene eSleds Batterien unterschiedlicher Lieferanten nutzten, um deren Leistung zu vergleichen. Diese neuen Schneemobile durchliefen außerdem intensive Kältetests – in den Prüfkammern der Hochschule und manchmal ganz einfach draußen im −40 °C kalten lappländischen Winter.

„Die Elektromotoren, Wechselrichter und Batterien wurden damals auch ausgiebig auf dem Prüfstand der Hochschule betrieben und charakterisiert“, ergänzt Autioniemi. „Die Lapland UAS verfügt über viel Ausrüstung zur Entwicklung und Prüfung von Antriebssträngen, und wir haben sie genutzt, wo immer es ging.“

Auf Grundlage all dieser Forschung und Entwicklung optimierten die Forschenden schrittweise eine Flotte von Testfahrzeugen, die sie 2011 einem örtlichen Anbieter geführter Touren überließen, um reale Betriebsdaten und Rückmeldungen aus dem vorgesehenen gewerblichen Einsatz zu sammeln.
Das weltbeste Elektro-Schneemobil seit 2015
Nach weiterer Entwicklungsarbeit schickte die Lapland UAS ihr Team 2015 zur SAE Clean Snowmobile Challenge nach Houghton in den USA, wo es in der Zero-Emissions-Klasse für vollelektrische Schneemobile antrat. Die Jury bewertete jedes Schneemobil nach mehreren Kriterien, darunter Leistung, Fahrverhalten, Kosten und Montageverfahren.
Autioniemi und seine Kollegen waren die einzigen Teilnehmer außerhalb Nordamerikas (alle anderen kamen aus Kanada oder den USA) und gewannen ihre Klasse in jenem Jahr sowie erneut 2016. Diese Siege ermutigten das Team, Aurora Powertrains im März 2017 als Ausgründung der Lapland UAS zu gründen, um den eSled® und seine Batteriesysteme zu vermarkten – zunächst als Umrüstsatz für Schneemobile mit Verbrennungsmotor; diese Produktion wurde inzwischen zugunsten des neuen OEM-eSled® eingestellt. Die Tochtergesellschaft Aurora eMotion wurde zwölf Monate später gegründet, um Ökotourismus-Angebote in einigen der größten arktischen Urlaubsorte Finnlands – Rovaniemi, Levi und Ylläs – zu betreuen.
„Es ging nicht nur um die internationale Anerkennung“, sagt Autioniemi. „Der SAE-Wettbewerb hat uns dazu gebracht, das Schneemobil nach Regeln neu zu konstruieren, die auf internationalen Sicherheitsvorschriften für Schneemobile beruhen. Dadurch haben wir gelernt, wie man ein normgerechtes Schneemobil baut, das wir legal herstellen und an Unternehmen für den Tourismus und andere Anwendungen verkaufen können.“
Damit war das Team darauf vorbereitet, die ersten kommerziellen eSled®-Umrüstsätze zu fertigen. Viel Entwicklungsarbeit floss darin, das System für die Kleinserienfertigung wirtschaftlich zu machen und Geschwindigkeit sowie Reichweite dennoch nahe an konventionelle Modelle mit Verbrennungsmotor heranzuführen.
„Wir haben auch die Integration des Umrüstsatzes vereinfacht, weil sich alles reibungslos anschrauben lassen sollte, ohne viele Löcher zu bohren oder Material wegzuschneiden“, erklärt Autioniemi. „Wir wollten das Fahrgestell ohne Verbrennungsmotor erhalten, den elektrischen Antriebsstrang einbauen, etwas programmieren – und es sollte funktionieren. In einem Umrüstmodell lassen sich die Komponenten jedoch nicht frei platzieren. Das führte zu Kompromissen, die der Leistung nicht zugutekamen, etwa einer 9,5-kWh-Batterie und nur 40 km Reichweite. Der neue eSled® ist als komplette Neukonstruktion daher insgesamt deutlich leistungsfähiger – dank des völlig neuen, auf unsere Komponenten abgestimmten Fahrgestells.“
Olli Haavikko, Mitgründer und leitender Konstrukteur für Mechanik bei Aurora Powertrains, ergänzt: „Mit den Konzepten für die Neukonstruktion haben wir im Sommer 2019 begonnen. Ein zentrales Ziel war es, alle Einschränkungen bei Bauraum, Reichweite, Gewicht, Batteriekapazität und so weiter zu beseitigen.“
Insgesamt wurden 34 der alten eSled®-Umrüstsätze gefertigt; als Standardplattform diente das Fahrgestell des Lynx Adventure LX600 ACE. Acht davon sind an Hurtigruten Svalbard auf Spitzbergen verleast (und inzwischen im vierten Jahr im gewerblichen Einsatz), sieben wurden an die Sunday Morning Collection in Nordfinnland verkauft, und 20 Einheiten werden über Aurora eMotion vermietet. Letztere kommen unter anderem bei Touren von Safarctica zum Einsatz, einem der größten Safari-Anbieter Finnlands und einem engen Partner von Aurora.
„Wir haben also mehrere Jahre Entwicklung und über 300 000 gefahrene Kilometer hinter uns, die belegen, dass die Technologie funktioniert“, erklärt Autioniemi.
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